Ulrike Schmidt und Ottomar Bahrs:
„Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik“¹
Projektverlauf - Begleitende Dokumentation und Evaluation der Zirkelarbeit –
Abstract und Folien

Im Rahmen des Projekts wurden Moderierende ausgebildet und an sechs verschiedenen Standorten in Deutschland interprofessionelle Qualitätszirkel etabliert. Einstellungen und Kooperationsformen wurden zu zwei Zeitpunkten eruiert und die Qualitätszirkel 1 ½ Jahre lang wissenschaftlich begleitet.

Die Begleitforschung erfolgte in zwei Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Der Focus der Projektgruppe Göttingen richtete sich auf die Prozessqualität, d.h. auf der Förderung und Erforschung der Arbeitsweise der Qualitätszirkel selbst (mittels Ein- und Ausgangsbefragung, Teilnehmender Beobachtung, Kurzevaluationen und Protokollen der Qualitätszirkelsitzungen). Dabei sind folgende Aspekte von besonderem Interesse:

  • Inwieweit wurde das (bei den Begleitseminaren unterstützend vermittelte) Qualitätszirkel-Konzept akzeptiert und umgesetzt?
  • Wo besteht Unterstützungsbedarf?
  • Wie schätzen Zirkelteilnehmer und Moderatoren selbst die Wirkungen der Qualitätszirkel-Arbeit?

Das Qualitätszirkelkonzept wurde an allen Standorten größtenteils umgesetzt und von der Mehrheit der Teilnehmenden als geeignetes Instrument der Qualitätssicherung für ihren eigenen Arbeitsbereich angesehen. Das Kernelement der Qualitätszirkelarbeit, die Analyse der Arbeitsrealität anhand konkreter Fallvorstellungen, wird in zahlreichen Äußerungen von Teilnehmenden über alle Zirkel und Berufsgruppen hinweg positiv hervorgehoben. Insgesamt hat die Bedeutung der Fallarbeit durch die Mitarbeit im IQZ zugenommen, die methodische Umsetzung – insbesondere die Dokumentation der Arbeitsrealität – hingegen war noch verbesserungsfähig. An die (Team-) Moderation wurden hohe Anforderungen seitens der Teilnehmenden gestellt. Daher kam der begleitenden Moderatorenschulung entscheidende Bedeutung zu. Der Lehrgang wurde von den Moderierenden als hilfreich und wichtig beschrieben. Die von den Teilnehmenden benannten Effekte der Zirkelarbeit – Verbesserung bzgl. Informationen über Kooperations- und Ansprechpartner sowie bzgl. der Zusammenarbeit mit anderen im Feld Tätigen – entsprechen den Zielen des Projektes und decken sich im wesentlichen mit den Erwartungen der Teilnehmenden. Die Berufsgruppen profitierten jeweils spezifisch von den Kompetenzen der „anderen“ Berufsgruppen. Darüber hinaus ließen sich regional unterschiedliche Verläufe beobachten. Als eine wesentliche Stärke der IQZ-Arbeit wird durchgängig der interprofessionelle und persönliche Austausch hervorgehoben, wobei in einer kontinuierlich arbeitenden Gruppe anhand konkreter Fälle berufsinterne und berufsübergreifende Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Als Hauptschwäche der IQZ wird wiederholt der Zeitaufwand kritisiert. Die meisten IQZ setzen ihre Arbeit – wenn auch mit selteneren Treffen – fort, und viele Teilnehmende plädieren dafür, das Konzept auch an anderen Orten umzusetzen.

Fußnote

1 Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten Heidelberg (Projektleitung: PD Dr. A. Riehl-Emde, Prof. Dr. M. Cierpka) und Göttingen (Projektleitung: Dr. O. Bahrs), gefördert durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

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„Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik“ - Projektverlauf und Ergebnisse - (23 Seiten, 500 kB)
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Ulrike Schmidt
Ulrike Schmidt, M.A., Volkskundlerin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abt. Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Göttingen im Modellprojekt „Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik“.mehr


Dr. disc. pol. Ottomar Bahrs
Dr. disc. pol. Ottomar Bahrs ist Medizinsoziologe. Er leitet den Arbeitsbereich „Qualitätsförderung in der ambulanten Versorgung“ der Abt. Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Göttingen. Er ist einer der Projektleiter im Modellprojekt Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik und initiierte weitere Projekte zur Qualitätsentwicklung, Kommunikationsförderung und Salutogenese. mehr