Rita Kuhn und Astrid Riehl-Emde:
„Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik“¹
- Projektverlauf, Ergebnisse und inhaltliche Schwerpunkte der Qualitätszirkelarbeit -
Abstract

Psychosoziale Beratungsangebote im Kontext von Pränataldiagnostik (PND) scheinen bisher wenig bekannt und selten genutzt zu werden. Vor diesem Hintergrund hatte das Modellprojekt zum Ziel, eine Kooperation zwischen ärztlichen und psychosozialen Fachkräften im Bereich PND zu fördern und damit verbunden psychosoziale Beratung stärker in die Versorgung Schwangerer vor, während und nach Inanspruchnahme von PND zu verankern. Dazu wurden an sechs Standorten in Deutschland (Mannheim, Heidelberg, Freiburg, Augsburg, Erfurt und Schwerin) interprofessionelle Qualitätszirkel (IQZ) initiiert, in denen Ärzteschaft und psychosoziale Beraterinnen zu einer fachübergreifenden Zusammenarbeit angeregt wurden.

Die IQZ wurden über 1 ½ Jahre wissenschaftlich begleitet. Zu Beginn und am Ende des Modellprojekts wurden via Fragebogen verschiedene Merkmale der Beratung, spezifische Einstellungen und Haltungen der Teilnehmer sowie Vorurteile zwischen den beiden Berufs¬gruppen erfasst. Die Arbeit der Qualitätszirkel wurde teilnehmend beobachtet, audioaufgezeichnet, anschließend transkribiert und inhaltlich ausgewertet.

Die Ergebnisse der Eingangsbefragung bestätigen, dass psychosoziale Beratung im Kontext von PND äußerst selten in Anspruch genommen wird und die Kooperationspraxis zwischen Ärzteschaft und psychosoziale Beraterinnen noch wenig entwickelt ist. Durch die IQZ-Arbeit hat sich die Zusammenarbeit zwischen den beiden Berufsgruppen intensiviert und es konnten an einigen Standorten neue Strukturen für eine fachübergreifende Beratung geschaffen werden. Während sich die Einstellungen beider Berufsgruppen zum Thema PND und die berufsspezifischen Vorstellungen einer optimalen Beratung nur unwesentlich veränderten, trug die IQZ-Arbeit dazu bei, dass die Ärzteschaft ihr anfänglich stereotypes Bild von den Beraterinnen relativierte und für psychosoziale Perspektiven sensibilisiert wurde.

Die inhaltliche Analyse der IQZ-Arbeit zeigt, dass sich beide Berufsgruppen einer Vielfalt an Problemen und Spannungsfeldern in der Beratung zur PND ausgesetzt fühlen, insbesondere in Verbindung mit dem Thema Spätabbruch und Fetozid. In den IQZ wurden Lösungs¬möglichkeiten für die zukünftige Beratung und zur verbesserten Zusammenarbeit diskutiert.

Fußnoten

1 Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten Heidelberg (Projektleitung: PD Dr. A. Riehl-Emde, Prof. Dr. M. Cierpka) und Göttingen (Projektleitung: Dr. O. Bahrs), gefördert durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Rita Kuhn
Rita Kuhn ist Diplom-Psychologin in Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Modellprojekt „Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik“. Davor war sie im Bereich Human Ressource Management Versorgungsforschung tätig.mehr


Priv.-Doz. Dr. phil. Astrid Riehl-Emde
Priv.-Doz. Dr. phil. Astrid Riehl-Emde ist Diplom-Psychologin, Paar- und Familientherapeutin und Stellvertretende Leiterin des Instituts für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie am Psychosozialen Zentrum, Universitätsklinikum Heidelberg. Sie ist eine der Leiterinnen des Modellprojekts „Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik“.mehr