Ottomar Bahrs:
„Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik"¹ - Ausgangslage –
Abstract und Folien

Die Qualität der eigenen Tätigkeit zu fördern und zu sichern wird in allen gesellschaftlichen Bereichen zunehmend zur Selbstverständlichkeit. Angesichts knapper Ressourcen und konkurrierender Vorstellungen darüber, was unter Qualität zu verstehen sei, wird gefordert, Nachweise für kontinuierliche Qualitätssicherung zu erbringen. Dies gilt auch für den Bereich der Schwangerenvorsorge.

Während die Voraussetzungen für die jeweilige Tätigkeit über klare Kriterien u.a. mittels Aus-, Fort- und Weiterbildung geregelt werden können, ist die Beurteilung der Qualität der Arbeitsprozesse außerordentlich schwierig. Hier müssen Kontextbedingungen berücksichtigt und auf das Expertenwissen der Beteiligten zurückgegriffen werden. Als Mittel der Wahl gelten hier Qualitätszirkel, die sich – vom industriellen Sektor ausgehend – in je modifzierten Formen in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern (z.B. Dienstleistung, Verwaltung, Soziale Arbeit, Pädagogik, Gesundheitswesen) bewährt haben.

Qualitätszirkel sind eine Form der Kleingruppenarbeit, in der Erfahrungen der beruflichen Tätigkeit systematisch, themenbezogen, kontinuierlich mit Unterstützung qualifizierter Moderation reflektiert werden, um die Qualität der eigenen Tätigkeit kontinuierlich zu verbessern. Gerade bei personbezogenen Tätigkeiten bietet die fallbezogene Diskussion in der Gruppe die Chance, die eigene Art Beziehungen zu gestalten zu reflektieren und emotionale Unterstützung zu erhalten. Wie sich im von der BZgA geförderten Modellprojekt „Qualitätszirkel in der Gesundheitsförderung und Prävention“²  zeigte, lässt sich die interprofessionelle Zusammenarbeit in berufsübergreifend zusammengesetzten Qualitätszirkeln besonders gut fördern und schulen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Moderation zu. Die Erfahrungen aus diesem Modellprojekt aufgreifend wurden die Moderierenden daher erneut im Rahmen eines projektbegleitenden Lehrgangs kontinuierlich unterstützt.

Die Wirksamkeit von Qualitätszirkeln beruht auf einer strukturierten Arbeitsweise in einer förderlichen Gruppenatmosphäre. Dadurch können Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung aufgezeigt werden, die zum Motor für die Motivierung zur Verhaltensänderung werden. Weil – im Kontrast zur bisherigen Alltagspraxis – in den Falldiskussionen gedankenexperimentell unterschiedliche Möglichkeiten erprobt werden können, kann die Arbeit im interprofessionellen Qualitätszirkel unmittelbar kooperationsfördernd wirken.

Fußnoten

1 Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten Heidelberg (Projektleitung: PD Dr. A. Riehl-Emde, Prof. Dr. M. Cierpka) und Göttingen (Projektleitung: Dr. O. Bahrs), gefördert durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

2 Bahrs O, Jung B, Nave M, Pohl D, Schmidt U (2005): Qualitätszirkel in der Gesundheitsförderung. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 26. Köln: BZgA

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Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik Ausgangslage: QZ-Konzept (16 Seiten, 1.200 kB)
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Dr. disc. pol. Ottomar Bahrs
Dr. disc. pol. Ottomar Bahrs ist Medizinsoziologe. Er leitet den Arbeitsbereich „Qualitätsförderung in der ambulanten Versorgung“ der Abt. Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Göttingen. Er ist einer der Projektleiter im Modellprojekt Interprofessionelle Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik und initiierte weitere Projekte zur Qualitätsentwicklung, Kommunikationsförderung und Salutogenese. mehr